Interessant, wie ein Online-Zeitungs-Artikel über Blogger bei Bloggern polarisieren kann. Auch schon im Vorfeld.

Die Hintergründe oder Wie es begann

Ich bekam eine E-Mail von einer GMX-Adresse, nicht sehr seriös, dachte ich als erstes (wurde auch von den anderen sich äußernden Bloggern (bzw. Kommentatoren auf deren Blogs) leicht bis mittelschwer moniert, warum es keine HAZ-E-Mail-Adresse war). Wie die Anfrage wortwörtlich lautete, würde ich ohne Rückfrage nicht veröffentlichen. Der „Nachtwächter“ hat es getan, nachzulesen auf Interview-Anfrage zum Thema Hannover-Blog und vom ihm öffentlich abgelehnt, mit Begründung.

Ich war eher neugierig, googelte los und wenn ich nichts gefunden hätte, wäre ich ein paar Kontakte durchgegangen und hätte dort noch weiter gefragt … Doch ich fand ein paar Treffer im Netz, so dass ich erstmal antwortete. Nach einigem Hin-und-Her (wir versuchten einen Termin abzustimmen, was nicht klappte), bekam ich die Interviewfragen in einer weiteren E-Mail zugestellt. So beantwortete ich sie auch. Also das „große Bloggertreffen“ mit der HAZ war es nicht. Ich weiß nicht, wer sich (außer Felix Stein) persönlich im RL mit Maren getroffen hat, aber vielleicht erfahre ich es ja, wenn jemand auf meinen Beitrag hier reagiert. 🙂

Der große Tag des Blogger-Artikels auf der HAZ online

Reaktionen dazu sind sehr schön auf Frontbumpersticker zu lesen (Kommentare!). Und ich bin ganz derselben Meinung, was die Verlinkung angeht. Es gibt nämlich keine! Die URL sind zwar „hingeschrieben“, aber eben nicht verlinkt. Keine Linklove von HAZ, sind wir Blogger nicht genügend vertrauenswürdig? Und was die etwas chaotische Formulierung in unterschiedlichen Absätzen betrifft, die sich eventuell vorher aufeinander bezogen und nun nicht mehr im richtigen Kontext erschienen, sagt Matthias N. in seinem Kommentar (ganz oben):

„[…] 2. In einigen Bereichen ist der Artikel entweder schludrig geschrieben oder schludrig redigiert: z.B. weiß man ohne Vorwissen nicht, dass Nicole und Männl ein und dieselbe Person sind. Es ist auch nicht wirklich ersichtlich, dass das hier ein Placeblog ist – beim Lesen bekommt man eher den Eindruck es wäre ein Personal Blog.“ […]
„Aber die Idee ist gut.“

Da gehen Matthias und ich ganz konform, Danke für Deinen Kommentar auf Hannoverlinkt XLVI auf Frontbumpersticker.

Auch Andreas Schulze Kopp hat über das Erscheinen des HAZ-Artikels gebloggt: „Artikel auf HAZ.de„. Was mir ein bisschen fehlt, ist der kritische, hinterfragende Aspekt (wie hier). Darum hat es bei mir (keine Entschuldigung, eher eine Erklärung) auch etwas länger gedauert, bis ich mir Zeit für diesen Blogartikel genommen habe. Aber sehr fein, Andreas, Danke: Du hast uns wie folgt verlinkt:

Noch einen kleinen Faux-Pas im HAZ-Artikel

habe ich in dieser Formulierung gefunden. An sich bin ich ja nicht so pingelig, aber es fällt mir auf, dass der Begriff „Homepage“ sehr häufig sehr falsch (umgangssprachlich) benutzt wird, so auch hier:

„So eine Homepage nennt sich: Blog oder auch Web-Log“, schreibt Maren. Liebe Maren, unter einer Homepage (siehe Wikipedia) versteht man nur eine Startseite. Zumindest in Fachkreisen. Wenn man es nur oft genug wiederholt (und liest), dann brennt sich diese falsche Bezeichnung auch bei den Leuten ein. Ich hätte es besser gefunden, Du hättest „Webpräsenz“, „Internetauftritt“, „Webpublikation“, … oder ähnlich geschrieben. Aber das ist nur meine persönliche, empfindliche Meinung, weil ich immer wieder erlebe, dass ich nach einer Homepage gefragt werde, die ich erstellen soll, es sich letztlich aber um eine Website handelt. So, Pingel-Modus wieder aus! Und nun mein Fazit:

Meine Meinung zum Online- und Zeitungsartikel

Gar nicht schlecht, die Idee, war mein erster Gedanke nach dem Lesen des Online-Artikels. So hat die HAZ mir sogar einige Blogger vorgestellt, die ich bisher noch nicht kannte.  Aber geht es beim Bloggen unbedingt darum, dass man in derselben Stadt wohnt, dass man sich zwingend kennt? Ich sehe das eher so, dass es thematisch wichtig ist, wie man sich vernetzt. Was bringt mir ein Strickblog (nichts gegen solche Blogs, ich habe früher auch gestrickt) oder ein Fußball-Blog (interessiert mich Null, sorry), das in derselben Stadt beheimatet ist, wenn mich die Themen nicht interessieren?

Anders ist es, wenn ich die Leute kenne — das müssen dann aber auch keine Hannoveraner sein — und immer mal wieder schauen kann, was sie gerade so bewegt und worüber sie schreiben. Wobei es völlig egal ist, worüber die Blogger schreiben, wenn ich mich im Reallife mit Ihnen vernetze. Das beste Beispiel sind die WP Blogger Hannover (und nicht nur hier erwähnt, weil ich sie ins Leben gerufen habe). Wir unterhalten uns über Blogs, das Bloggen, die Technik und das ist unser gemeinsames Thema. Selbstverständlich wird da auch mal ein Blog vorgestellt (eine Blogvorstellung gehört immer zur Agenda), was mich thematisch nicht interessiert, aber man kann sich ja auch anderen Dinge öffnen und ich schaue gern immer mal wieder über den Tellerrand. Wie wichtig ist also eine Vernetzung der Blogger aus Hannover? Kommt drauf an, meine ich. Und ist von Fall zu Fall unterschiedlich, weil wir ja nicht alle über Hannover (als Thema) bloggen. Ein Austausch ist immer wichtig, aber dafür muss man nicht Blogger sein. Verständlich, worauf ich hinaus will? Es ist der Austausch an sich wichtig, in welcher Form auch immer, das muss man nicht lokal einschränken.

Das Fazit, was die HAZ bzw. Maren Koetsier gezogen hat, trifft für mich nicht den Kern. Und nicht den Kern von Blogs, vom Bloggen und den Bloggern. Aber dennoch „schön“, dass die HAZ sich aufgerappelt hat, auch darüber mal etwas über das Thema Blogosphäre zu schreiben. Beim Lesen des Zeitungsartikels (PDF ist unten verlinkt) ist mir aufgefallen, dass Maren schon sehr wenig Platz hat, um alle Facetten zu beleuchten, dass Schwerpunkte gesetzt werden mussten. Klar, da bleibt einiges auf der Strecke, da werden Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und wenn man selber involviert ist, weiß man es besser, muss manchmal den Kopf schütteln, weil es doch eigentlich ganz anders ist.

Ich wünsche mir von der HAZ, dass sie nicht einen kurzen Rundumschlag (wie mit diesem Artikel) betreibt, sondern dazu beiträgt, dass die Hannoveraner und Leser (natürlich auch aus dem gesamten Verbreitungsgebiet) — besonders diejenigen, die nicht bloggen — einen besseren Einblick bekommen. Warum jemand bloggt, wo man denjenigen lesen kann, dass Blogger kommunikativ sind, sich über Kommentare freuen, über Feedback, über konstruktive Verbesserungsvorschläge etc. Daher wäre es eine gute Idee (finde ich), dass die Interviews, die geführt wurden, noch verfeinert und aktualisiert werden und es z. B. auch so etwas wie eine neue Serie geben könnte, in der „Internetpublizierende“ (mit einem „echten Interview“) vorgestellt werden, nach und nach, in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen kleine Blogger-Portraits entstehen könnten.

Ein Effekt könnte sein, dass die Leser dann merken, „der Blogger“ ist kein suspektes Wesen, sondern ein Mensch wie Du und Ich. Vielleicht kommen sogar Leute auf die Idee, mal selber zu bloggen, weil sie dann erst wissen, was „Bloggen“ überhaupt ist (und dass es das gibt). Im Hinterkopf dabei: als ich mit einem nicht-internetaffinen Mensch auf das Thema „Internet“ kam, sagte ich, dass ich (auch)  Bloggerin wäre. Er schaute mich an, grinste doch ein bisschen verlegen und sagte dann, ich könne ruhig das Kind beim Namen nennen. Ich schaute erstaunt zurück. Versuchte seinen Gedanken und seine Aussage empathischst nachzuvollziehen. Ich erklärte daraufhin: „Nee, nee, das ist nichts unanständiges!“ Und erklärte ihm, was mein Blog ist. Von diesem Zeitpunkt an wusste er, dass Bloggen nicht zwingend etwas mit Sex zu tun hat. Zumindest bei mir nicht. 🙂

Quellen:

  • HAZ Online-Artikel, „Ein Blick auf die hannoversche Bloggerszene“ — UPDATE: die Blogadressen sind nun verlinkt!
  • HAZ Print (PDF), „Blogger an der Leine“, mit freundlicher Erlaubnis von der HAZ!