Vorhin habe ich einen Anruf bekommen, eine mir bis dato unbekannte Telefonnummer aus 0341 … eine Dame (vermutlich Callcenter) pries mir einen Urlaubsanbieter an. Ich fragte sie direkt (ich mag dieses Werbe-Blah nicht), worum es denn genau ginge. Sie versuchte einen Erklärungsversuch, den ich nicht nachvollziehen konnte.  Ja, sagte sie, mein Blog wäre aufgefallen und sie wolle nun anbieten, dass ich mich beim Partner-Programm anmelden könne, ob ich Interesse hätte. Natürlich heuchelte ich Interesse, wollte ich doch weitere Informationen (meine Daten haben sie eh schon aus dem Impressum). Ich bekam eine E-Mail und entnahm dem Inhalt (gekürzt und sinngemäß) folgendes:

Es geht also darum, dass man sich sein Blog mit Werbecontent eines Reiseanbieters „vollstopfen“ lässt. Auch (wie „praktisch“) über ein WordPress-Plugin. Also ein Affiliate-Programm, aber in ganz anderen Dimensionen.

Die Versprechen, wenn man an diesem Partnerprogramm teilnimmt:

  • Profitieren Sie ab sofort von unserem Know-How im Bereich der Suchmaschinenoptimierung
  • Besucher finden schnell die passenden Hotels in Ihrer Region
  • Erhöhen Sie kostenlos Ihre Reichweite und steigern Sie damit Ihre Umsätze – kostenlos!
  • Verbessern Sie Ihre Präsenz bei Google, Yahoo! & Co. durch das unkomplizierte Einbinden von bis zu 1.800 reiseaffinen Seite (ja, das N fehlt!)
  • Höhere Einnahmen durch mehr Inhalte: Mit unseren Hotels erhält Ihr Webprojekt bis zu 1.800 neue Seiten. Das bedeutet: Bessere Ergebnisse in den Suchmaschinen und erhöhte Zugriffszahlen.

Dann folgt die Provisionsliste … 
und dann die kleinen Fußangeln:

Je nach Webspace kann jedoch eine Erweiterung Ihres Hostingpaketes notwendig werden.

Meine ersten Gedanken
Welche Auswirkung hat das Plugin auf die Seitenstruktur? Weiter wird erklärt:
„Durch das Plugin wird eine Seite in Ihrer Installation angelegt. Alle weiteren Unterseiten befinden sich auf dieser Seite. Dennoch werden die URLs suchmaschinenfreundlich erzeugt.“

Ja, geht es denn noch?

Ich atmete tief durch, bevor ich mich innerlich aufregte … wie kann man bloß so ein Plugin von einem Fremdanbieter installieren, dass selbsttätig Seiten anlegt? Und was sind das überhaupt für Werbeformen? Also in einem Satz: Wie kann man bloß? Sowohl von Anbieterseite sowie als Blogbetreiber … schlimm, schlimm … Das einzige, was mich wieder herunter kommen ließ, bei der Demo wurden die Reiseangebote als „Anzeige“ gekennzeichnet. Wenigstens das, aber ein Blog als Werbeträger für Reisen, was nichts mit Reisen zu tun hat? Unglaubwürdig, finde ich.

Weiter recherchiert …
fand ich eine Geschäftspraktik desselben Urlaubsportals, die von einem Golfreisen-Anbieter, nennen wir ihn ABC-Golfreisen, beschrieben wurde (Link kann ich gern privat weitergeben, ich informiere den Betreiber über meinen Beitrag hier). Die Praktik wurde wie folgt beschrieben:
„In unserem Fall ließ es sich das Unternehmen nicht nehmen, unseren Markennamen unter Ausblendung von Markenrechten als Subdomain “abc-golfreisen.xyz.de” vor deren Portaldomain zu schalten und diese Domain im Rahmen des Google AdWords-Programms zu bewerben. Existent war diese Subdomain tatsächlich nicht sondern führte auf die Landing-Page “def.xyz.de”. Dies stellt zweifelsfrei ein bewusstes Ausnutzung des Bekanntheitsgrades einer Marke dar.“

Also ich bin ja seltenst mit solch einem Geschäftsgebahren konfrontiert, muss ich sagen, dass ich nur noch staune. Auch ein weiterer Content-Anbieter (den ich hier auch bewusst nicht verlinke), bietet in einer fröhlichen „Frühjahrsaktion“ an, dass man für den Urlaubsanbieter schreiben könne. Ein PDF ist ganz offen hinterlegt, wie man die Keywords bestellen kann und wie man als Autor den bezahlten Link abzuliefern hat. Dieses Mal aber keine Rede davon, dass der Text als „Werbung“ oder „Anzeige“ zu deklarieren ist.

Also ich tauche aus diesem Link-building-Sumpf jetzt wieder auf, möchte mich damit gar nicht weiter beschäftigen, weil so etwas für mich nie in Frage gekommen wäre und nie kommen wird. Ich möchte hiermit nur alle warnen, solche Geschäfte anzunehmen, denn wo kein Markt mehr, bleiben die Anfrager auch weg. Okay, „sie“ werden immer wieder Leute finden, denen die Dollarzeichen in den Augen stehen, leider. Aber diejenigen, die informiert sind, die bekommen sie nicht mehr als Programmpartner!

Ich habe übrigens ganz bewusst keine URL genannt, keinen Firmennamen, keinen Slogan (der ist nämlich mit der URL identisch), weil ich nicht auch noch zum Linkbuilding beitragen möchte, auch wenn dieser Artikel überaus kritisch ist. Dann bin ich ja zusätzlich noch ein „Schisser“, möchte also die „Unterlassungserklärung“ des beschriebenen Urlaubsanbieters einfach vermeiden. Alle URL können gern bei mir nachgefragt werden, einfach einen Kommentar mit diesem Wunsch formulieren, die E-Mail-Adresse korrekt angeben und schon gibt es eine Antwort von mir per E-Mail.

Weitere Informationen zum Thema Wie und warum man als Blogger Transparenz beachtet, besonders bei werblichen Aktionen und bei der Kennzeichnung von Anzeigen/Affiliates, findet Ihr bei Robert Basic, das schreibe ich jetzt nicht alles nochmal … Happy Blogging!