Gestern war ich auf der CeBIT — es war der erste Tag und die Leute sind alle hochmotiviert, weil alles noch „neu“ ist. Daher: hingehen, war mein Gedanke.

Planung:

Die Planung, an welchen angebotenen Veranstaltungen und Vorträgen ich gern teilnehmen möchte, habe ich mit dem CeBIT-Online-Planer versucht. Die Suche ist aber (so meine Einschätzung) nicht benutzerfreundlich, dass ich finde, dass man mit der mobilen Version sogar fast effektiver suchen kann. Nämlich nur nach Veranstaltungen, meistens haben die noch ein Web 2.0 im Titel, das ist wohl heute ein Muss.
Gerüstet mit meinem präpariertem Handy besuchte ich also die CeBIT.

Die Anreise verlief problemlos, da ich meinen Zeitplan um eine Stunde nach hinten geschoben hatte, um sämtlichem Standpersonal-Anreiseverkehr und den Auswirkungen des Üstra-Streiks auszuweichen. Hat funktioniert.

1. geplante Veranstaltung: Web 2.0 Design, Vortrag von kosmar

Ich schreibe ganz bewusst „geplant“, denn der Vortrag fand für mich nicht statt. 🙁 Ich traf nicht etwa zu spät ein, sondern kosmars Beitrag wurde einfach vorverlegt. Danke, Content-Management-Arena, tolle Leistung #ironie.
So bleibt mir nichts anderes übrig, als die Slideshow anzuschauen, die kosmar zur Verfügung gestellt hat. Danke dafür, kosmar, aber ich hätte so gern O-Ton dazu gehabt #zutiefstbedauer.

So ließ ich mich erst einmal im VIP-Bereich der CM-Arena mit Kaffee, Wasser und Hanuta trösten (danke an die liebevolle Umsorgung) und rief twitter auf, dort standen die neuesten Tweets, die ich jedoch zu spät sah. twitter, wenn man den richtigen Leuten „followed“, ist wirklich Buschtrommel und Newsportal in einem.

Die später anschließende Diskussion „Web 2.0 & Barrierefreiheit — ein Widerspruch?“ war nicht besonders prickelnd, da hatte ich mir schon etwas anderes darunter vorgestellt.

So nahm ich reißaus und machte mich auf den Weg zur crm Arena.

Expertenrunde: Wissen des Kunden im Zeitalter von Web 2.0

Auch hier — haben das „Expertenrunden“ so an sich? — nichts Neues, wenn man sich sowieso mit der Thematik eingehend beschäftigt. Also umgeschaltet, von Informationsfeed auf Analysefeed, und das ganze skeptisch betrachtet. Immer noch keine neuen Erkenntnisse, okay, dann nach 20 Minuten (Veranstaltung dauerte 1 Stunde!) lieber mal gucken, was der nächste Vortrag so bringt.

Suchmaschinenoptimierung — damit Ihre Website besser gefunden wird

Hört sich gut an, war es aber nicht wirklich, denn eher eine Werbeveranstaltung, mit dem zwanghaften Versuch Leads zu generieren. Aber: wieder mal interessant zu sehen, was man bei Vorträgen beachten oder sein lassen sollte. Ihr seht, ich versuche doch noch jeder informativen Enttäuschung noch etwa positives abzugewinnen. Übrigens war der Vortrag von Alan Webb auf unserem Webmontag #4 wesentlich spannender (und leadfähiger)!

Gleich im Anschluss — auf derselben Plattform — hörte ich mir den Anfang des Themas „Web 2.0 im Unternehmen: RSS ausreizen — Case Studies“ an. Als der Referent meint, dass er nur gaaanz kurz auf die technische Seite eingehen wollte, sank auch hier mein Interesse. Ist ja schön, wenn sich jemand auf das Niveau der Entscheider (die, die wirklich keine Ahnung haben), herablässt, aber das war mir nun doch zu simpel gestrickt.

Hey, bitte nicht falsch verstehen, ich will hier nicht überheblich klingen, aber bitte ein paar mehr Vorträge, die wirklich etwas Neues für interessierte „Fachbesucher“ (so stand es auf meinem Ticket) bringen.
Ich pilgerte weiter zu Halle 5.

Web 2.0: Mediengestützte Unternehmenskommunikation für KMU

Die Veranstaltung sollte von 14:00 – 18:00 laufen, eine lange Zeit, dachte ich mir. Mein Erstaunen darüber sollte Recht bekommen: der letzte Vortrag (wo war der eingetragen?) war gerade vorüber und sie bereiteten sich auf die Verleihung des „BestPractise-IT-Award 2008“ vor. Ansonsten war auf dieser Plattform nicht viel zu holen, außer, dass man seine PHP-Quelltexte prüfen lassen konnte. Hatte gerade keinen dabei, also weiter zu Halle 6.

In der „Security World 2008“ besuchte ich den Stand des MittelstandsWiki und führte ein nettes, kurzes Gespräch. Wie ich erst später herausfand, mit dem Hauptverantwortlichen und Herausgeber Thomas Jannot. Während ich auf den nächsten Vortrag wartete, stärkte ich mich mit einem Wasser und ein paar Häppchen, die mir offiziell erst nach dem Zusammentreffen zustanden (nur für angemeldete Gäste), aber mit Charme bekommt man selbst unangemeldet etwas bei netten Messe-Hostessen (danke!).

Live-Hacking — Atemberaubende Einblicke in die dunkle Seite der IT

Das Publikum veränderte sich schlagartig, lange Haare, zumeist zum Pferdeschwanz gebunden, bebrillte Jünglinge mit schludrigem Sacko und Jeans, Rucksackträger, weniger Frauen als vorher, neugierige Schüler, die alle Sitzplätze belegten.
Der Referent gehörte auch zur Zopffraktion, war aber gut in seinem Vortrag, engagiert und hatte einen Plan.

Er stellte vor, wie man mit einem Linux-Server eine E-Mail mit dem Absender [email protected] verschicken kann. Nichts Neues, das hat mir mein Dozent in meiner Fortbildung schon 1999 erklärt, aber der aktuelle Referent brachte es gut herüber.
Interessant wurde es, als er (ich habe da mal etwas vorbereitet) die offenen Netzwerke von einer mittelständischen Firma scannte. Teilweise waren sogar die angemeldeten User sichtbar (z. B. „Administrator“, also Windows Server). Die Krönung war jedoch, als er sich auf diesem fremden Server einloggte: er gab den sichtbaren Usernamen ein und bei der Eingabe „Passwort“ gab er einfach nichts ein und drückte die Enter-Taste — somit war er angemeldet und hatte Zugriff auf alle Dateien. Natürlich hat er nichts verändert, sondern sich sofort wieder ausgeloggt, aber erschreckend war es trotzdem zu sehen, wie zugänglich die Daten von Firmen sein können und wie raffiniert die Passwörter gewählt werden!

Der nächste Vortrag hatte zwar schon angefangen, ich ging trotzdem mal zum CC, Saal2. Ich wusste auch nicht, ob man sich hätte anmelden müssen, aber nett angefragt, bekam ich ein Namens-Schildchen, war ab sofort registriert und einlassfähig. Worauf ich mich eingelassen habe?

Social Networks — die neue Herausforderung für Unternehmen.

Wollte ich doch mal Lars Hinrichs live sehen (hmmm, das Foto ist irgendwie besser), zusammen mit StudiVZ CEO Marcus Rieke und zwei weiteren Personen von Ernst & Young und PBS AG. Die Diskussionsrunde war im vollen Gange, alles auf englisch, auch mal ganz nett.

Das Publikum durfte Fragen stellen, die dann teilweise beantwortet und denen auch mal ausgewichen wurde. Die Killer-Frage, die mir auf der Zunge lag, wurde nicht gestellt, nämlich was als nächstes für Werbe-Features bei XING anstehen. Wobei die Frage sicherlich auch nicht offen beantwortet worden wäre.

Im Anschluss an die Veranstaltung gab es noch ein paar lecker Häppchen und als ich am Stehtisch meine Bionade trank, rauschte eine Delegation „wichtiger Leute“ vorbei:

zuerst Lars Hinrichs, im Schlepptau dann kosmar (den ich kurz noch begrüßen konnte und ihm mitteilte, wie sehr ich die Terminverschiebung seines Vortrags bedauerte) und schließlich noch Sascha Lobo, der mich zwar erkannte, begrüßte, aber wohl vergessen hatte, WO (Wegmarken) wir uns mal getroffen und länger unterhalten hatten. Na, egal, der Mann trifft ja auch sooo viele Leute.

So verlief mein erster CeBIT-Tag, wer bis hierher gelesen hat (ist ja doch ein etwas längerer Bericht geworden) – vielen Dank für die Aufmerksamkeit und vielleicht den einen oder anderen Kommentar. 🙂